27.07.2026 geschrieben von Stefan

Stockholmer Schärengarten

Am Zeugnistag ging es mit zwei Inriggern auf dem Anhänger über die Fähre Rostock-Trelleborg nach Schweden. Von hier 650km nach Norden zum Ruderverein Lidingö. Boote abladen und riggern dauerte etwas, aber noch viel länger dauerte das Aufbauen der Zelte. Drei unser jugendlichen Teilnehmer hatten das augenscheinlich noch nie gemacht….

Der erste Rudertag führte uns in die Stockholmer Innenstadt. Zunächst nach Djurgarden. Hier wurden die Boote an einem Steg festgemacht und das Vasa Museum besichtigt. Danach wurde Lars, der mit dem Nachtzug angereist war, direkt vor dem Parlamentsgebäude eingeladen.

Vom Boot aus konnten wir diverese Sehenswürdigkeiten bewundern. Sogar die Wachablösung marschierte am Ufer vorbei. Der Verkehr mit Fähren und Touristenbooten war dicht, mit entsprechenden Wellenschlag. Da wir in Inriggern saßen störte uns das nicht sehr.

Zurück nach Lidingö erwischte uns leider ein heftiger Platzregen (Wetterbericht hatte eine Stunde leichten Nieselregen versprochen). Bei der Stockholmer Rudergesellschaft konnten wir uns danach trocken legen. Den Rest des Rückwegs schien wieder die Sonne.

Quartiere

Am nächsten Tag wurden die Boote mit Gepäck für zwei Wochen beladen und wir starteten in Richtung der Außenschären. Nachdem wir die Hauptfahrrinne überquert hatten, ging es in enge Durchfahrten zwischen großen Inseln, teilweise gerade breit genug für ein Ruderboot. Dann wieder größere Wasserflächen mit einigem Wind, aber nichts was uns wirklich Schwierigkeiten bereitete. Schließlich erreichten wir den Campingplatz Ingarö. Direkt neben dem Badestrand fanden wir eine Rampe, an der wir unsere Boote heraus nehmen konnten. Unsere Hütten lagen ein Stück vom Strand entfernt. Das Gepäck musste geschleppt werden. Erst dann stellten wir fest, dass man die Boote auch auf der anderen Seite des Campingplatz hätten anlegen können. Das wäre näher an den Hütten gewesen. Gut zu wissen für das nächste Mal.

Die nächste Etappe sollte uns an den Rand der Innenschären führen. Der zunehmende Nordwind stellte da durchaus ein Problem dar. Die eigentlich geplante Strecke über die Südroute vorbei an Saltsjöbaden war daher keine gute Idee. Daher wählten wir eine Nordroute, die uns längere Zeit Windschutz bot. Zunächst engere Durchfahrten und danach ein langgestreckter Fjord. Dort bot uns das Nordufer weiteren Windschutz. Erst eine große Bucht nach Norden stellte eine gewisse Herausforderung für die Steuerleute und die Ruderer dar.

Dazu kamen noch die Wellen von schnell fahrenden Schärenfähren und riesigen, gut motorisierten Motorbooten. Auch einige Segler nutzen den starken Wind. Bei Stavsnäs erreichten wir eine riesige Wasserfläche, offen nach Nordosten. Wir drehten nach Süden ab und gingen vor den Wind.

Auf der Seekarte hatten wir eine gestrichelte Route gefunden, die nicht nur abkürzte, sondern auch Windschutz bot. Glücklicherweise war diese Route fahrbar, allerdings waren die Gräben auf Spreewald-Niveau. Im Unterschied zum Spreewald aber mit riesigen Felsen links und recht. Danach wurde das Gewässer wieder größer und wir kamen mit Schiebewind gut vorwärts und erreichten Korshamn. Wir fanden eine sumpfige Anlegestelle nur 400m von unserem Quartier. Wir schleppten die schweren Boote aus dem Wasser und liefen zu unserem Ferienhaus für die nächsten vier Tage.

Diese Ferienhaus war das beste der ganzen Fahrt. Ein zweistöckiges historisches Blockhaus. Große Terrasse, komplette Küche, Wohnzimmer und 6 Betten und ein Sofa. Der Vermieter zeigte uns eine nahe gelegene Badestelle an den Klippen und gab uns auch den Tipp für einen warmen Badesee (Süßwasser) in nur 500m Entfernung.

Die nächste Tagesfahrt (ohne Gepäck) führte uns jenseits der großen Inselwelten, die Korshamn vorgelagert sind, bis an den Rand der offenen Ostsee. Bei Dauersonne und 23 Grad hatten wir Bilderbuchwetter. Bei Wind bis zu 4 Beaufort ließ es sich noch gut rudern, wenn man ab und zu Inselschutz ausnutze. Zum Schluss guckten wir noch in Stavsnäs vorbei. Hier ist etwa 500m vom Strand der einzige Supermarkt der Umgebung. Die Fahrtenküche brauchte eigentlich noch keinen Nachschub, aber die Chips- und Süßkramvorräte der Jugend waren einigermaßen erschöpft.

Am Ende fanden wir auch in Korshamn, eine Bucht weiter von unserem Quartier einen Kiosk. Der hatte nur Eis und Getränke, aber genau das hatten wir auch gesucht. Die Jugend ging dann noch im Süßwasser baden und auf den Klippen klettern.

Nach der nördlichen Runde vom Vortag ging es dieses Mal weiter südlich. Wir hatten auf Google Maps eine Strandbar auf der Insel Idöborg gefunden. Nach längerer Runde um die Insel Nämdö, erreichten wir die Strandbar. Leider legten hier auch einige Schärenfähren an, so dass die Insel völlig überlaufen war und das Niveau der Strandbar entsprach nicht unserer Preisklasse. Glücklicherweise gab es auch einen Kiosk mit Eisverkauf.

Nach kurzer Pause ging es weiter, erst mal mit einem Rennen zwischen dem Zweier und dem Dreier. Leider hatten die Steuerleute dabei etwas die Richtung übersehen. Der VL stellte plötzlich fest, dass die Sonne aus der falschen Richtung schien. Wir stellten fest, dass wir uns wohl etwas verirrt hatten. Nicht so einfach den richtige Weg zu finden, wenn man zwischen hunderten Inseln unterwegs ist. Mit einem ziemliche Umweg fanden wir doch unsere Weg zurück nach Korshamn.

Nun mussten wir uns von unserem Luxus-Quartier verabschieden. Der nächste Quartierwechsel nach Söder-Möja stand an. Wegen einigem Nordwind entschieden wir uns ostwärts (Meerseitig) von Runmarö zu rudern und danach Deckung durch die Inselgruppen südöstlich von Möja zu nutzen. Die heftigsten Wellen kamen jedoch wieder von schnellen Schärenfähren. Am Nachmittag erreichten wir Söder Möja und nach einigem Suchen fanden wir auch unsere Hütte. Diese lag in 2.Reihe hinter dem Ufer. Das Gepäckschleppen war dieses Mal nicht so weit. Ein Boot konnten wir auf einen winzigen Strand heben, das andere am Steg befestigen. Nach dem Luxus der letzten Tage, war die Hütte diesmal sehr einfach. Eine Küche ein Wohnzimmer mit Sofa und 5 Betten, dazu eine Außentoilette. Alles guter Standard für Skandinavien.

Nach einem kurzen Abstecher zur Nachbarinsel Möja zum Shoppen, wieder mehr Chips als andere Verpflegung, ging es auf eine große Runde um die Inselgruppe östlich von Möja. Enge Durchfahrten durch Inseln, dann wieder Wasser bis zum Horizont, die offene Ostsee neben uns. Wieder bei bestem Wetter und Sonnenschein, genossen wir den schwedischen Sommer.

Timo, Anike und Gustav ruderten am Abend noch einmal zum Shoppen nach Möja.

Der vom Wetterbericht angekündigte Sturmtag, war um einen Tag verschoben. Trotzdem hatte der Wind deutlich zugenommen. Daher ging es heute nur einmal um Södermöja herum und zum Eis nach Möja. Wegen der kurzen Ruderstrecke drehte allerdings die Jugend ziemlich frei. Einfach nicht ausgelastet.

Heute erwischte uns der angedrohte Sturm nun wirklich. Eigentlich hätten wir heute den Quartierwechsel nach Gistholmen machen sollen. Glücklicherweise konnten wir das um einen Tag verschieben. Leider hatte war jetzt auch für den morgigen Tag weiter Sturm vorhergesagt. Was uns etwas nervös machte. Der Abstand zum nächsten Quartier betrug nur 10 km, allerdings Luftlinie und ziemlich direkt nach Norden.

Wir hatten eine Route ausgetüftelt, die zwar wesentlich länger war, aber mehr Inselschutz bot. Leider mit drei sehr offenen Stellen, die schlimmste gleich zum Anfang. Daher wurde am Abend noch mal ein Boot aufs Wasser gebracht, um sich diese Stelle anzusehen. Die war nicht sehr schön und der Testlauf war natürlich ohne Gepäck und mit den vier härtesten Ruderern besetzt (nicht Gendergerecht eine davon weiblich)

Am nächsten Morgen bliess der Wind immer noch mit 7 Beaufort aus Nord. Wir gingen aufs Wasser. Die erste Stelle war etwas harmloser als beim Probelauf am Vortag. Der Wind hatte um ein paar Grad gedreht, so dass wir ziemlich trocken rüber kamen. Danach ging es ziemlich geschützt durch Inseln. Die beiden offenen Stellen waren nicht schön, aber fahrbar. Am meisten gelitten haben die Steuerleute, es war kalt und regnerisch. Nach 22 km erreichten wir Gistholmen bereits kurz nach dem Mittag. Erfreulicherweise waren unsere Hütten schon bezugsfertig, so dass wir uns im warmen und trockenen erholen konnten. Die Hütten lagen oben auf einer Klippe mit grandioser Aussicht über das Wasser.

Am Nachmittag wurde das Wetter besser, so dass wir noch Erkundungstouren über die Insel starten konnten. Auch ein Saunabesuch konnte gemacht werden.

Da wir unseren Quartierwechsel verschoben hatten, blieb uns von Gistholmen nur eine Tagestour. Bei wieder bestem Sommerwetter umrundeten wir die gesamte nördlich gelegene Inselgruppe. Der erste Stopp war in Finnham, hier gab es einen Kiosk mit Eisverkauf. Der Kiosk hatte sogar einen eigenen Steg für Leute die mit dem Boot einkaufen kommen. Der Rückweg brachte etwas Schiebewind. Der kam allerdings von schräg hinten, so dass man durchaus aufpasse musst, wieviel Schiebewind man wirklich haben wollte, oder doch besser die eine oder andere Insel zum Schutz nutzen wollte. Es fiel auch wieder auf, dass selbst hier, weit draußen im Schärengürtel ein dichter Verkehr von Schärenfähren unterwegs war.

Am letzten Rudertag ging es wieder heimwärts zum Ruderclub Lidingö. Da wir ziemlich weit außen waren, eine lange Strecke durch die Inseln. Lars hatte eine optimierte Route geplant. Weite Strecken nicht über die Fahrrinnen, sondern durch winzige Durchfahrten.

Die erste Hälft lief auch alles gut, es gab mal einen kurzen Schauer, der Wind war sogar leicht schiebend. 20 km vor Stockholm baute sich dann eine schwarze Wand vor uns auf, glücklicherweise kein Gewitter, “nur” Regen. Ansage an die Ruderer, alles Regenzeug anziehen, das wird heftig. Ein zweistündiger Platzregen brach über uns herein. Das 300m entfernte Ufer war im Regen nicht mehr zu erkennen. Der Steuermann hatte als zusätzliche Aufgabe: Wasser schöpfen.

Kurz vor dem Ruderclub ließ der Regen etwas nach, aber beim Blick auf das Regenradar wurde die gewünschte Pause wieder abgebrochen. Das nächste Starkregengebiet kam gleich nach. Wir vertäuten die Ruderboote am Steg, stürmten ins Haus und versuchten uns trocken zu legen.

Merke ein wasserdichter Beutel bringt nicht viel, wenn er offen ist.

Der Dauerregen hielt die ganze Nacht an, erst am nächsten Morgen zeigte sich wieder die Sonne. Vor dem Frühstück wurden die Boote aus dem Wasser genommen und aufgeladen.

Danach machten wir uns landfein, packten unser Fährgepäck und fuhren mit Bus und U-Bahn nach Stockholm. Die Stadtbesichtigung erstreckte sich nur auf Riddarholmen und Gamla-Stan, da wir ja schon um 14 Uhr am Fährterminal der Silja Line sein wollten.

Nachdem wir auf der Silja Serenade unsere Kabinen bezogen hatten (ganz unten, die billigsten) genossen wir die Fahrt durch die Stockholmer Schären mal ohne Rudern. Besonderes Highlight das All-you-can-eat Büffet. Nach zwei Wochen Fahrtenessen eindeutig ein Upgrade.

Danach gab es die Shows im Nachtclub, die Heckbar, die Shopping-Mall und natürlich Gustavs Auftritt beim Karaoke in der Disco.

Nach dem Anlegen in Helsinki am nächsten Morgen galt es die Highlights von Helsinki zu besuchen. Hier zeigte sich was persönlich als Highlight empfunden wird. Gustav + Moritz Innenstadt und danach zurück aufs Schiff, Sauna + Schwimmbad, der Rest auf die Festungsinsel im Hafen mit Kanonen und U-Boot. Wobei Anike + Timo sich danach zum Shoppen absetzten, Ergebnis eine Tafel Schokolade. Alle waren pünktlich zur Abfahrt zurück auf dem Schiff.

Auch auf der Rückfahrt nach Stockholm wurde das Kreuzfahrt Erlebnis genossen.

Am Morgen ging es mit dem Auto 650 km zurück nach Trelleborg und mit der Nachtfähre nach Rostock.

Hinweis für Nachahmer:

Wir sind mit gesteuerten Inrigger Doppeldreiern gerudert. Einer davon unterbesetzt, um das Gepäck unterzubringen. Keinesfalls sollte man das mit C-Booten machen. Gepäckwanderfahrten mit C-Booten auf Großgewässern sind eine sehr dumme Idee.

Wir hatten drei Obleute mit Langtuur-Styrmand, bzw. dem entsprechend 5* Obmann RC-KST

Leute die solche Fahrten mit ungedeckten Booten machen sind potentielle Selbstmörder.

In den Außenschären gilt: Es kann Tage geben, an denen man nicht rudern kann!

Inrigger 3x+